NACHRICHTEN
Die Literatur-Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn ist tot
„…"All jenen gewidmet, die nicht
genug Leben hatten, dies zu erzählen…"
Al. I. Solschenizyn
Der Literatur-Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn galt als wichtigster Prosaiker der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Aus seinem umfangreichen Werk ragt der "Archipel Gulag" hervor, eine Dokumentation über das unmenschliche Lagersystem der Sowjetunion.
Die Arbeit am "Archipel Gulag" begann 1958 unter konspirativen Umständen. 1973 entdeckte der sowjetische Geheimdienst KGB Teile des Manuskripts, das Solschenizyn daraufhin in aller Eile in den Westen schmuggeln und veröffentlichen ließ. Moskau reagierte mit scharfen Protesten und wies den Autor 1974 aus. Erst zu Zeiten der Perestroika wurde der "Archipel Gulag" 1989 in der Sowjetunion veröffentlicht.
Alexander Isajewitsch Solschenizyn wurde am 11. Dezember 1918 im südrussischen Kislowodsk als Sohn eines kosakischen Landbesitzers geboren. Er studierte zunächst Mathematik, Physik und Geschichte an der Universität in Rostov. Ab 1941 diente er der sowjetischen Armee als Artillerieoffizier, wurde jedoch 1945 wegen kritischer Äußerungen zur Politik Stalins ("Jeder, der Gewalt zu seiner Methode gemacht hat, muss zwangsläufig die Lüge zu seinem Prinzip erwählen... ") zu acht Jahren Lagerhaft nach Kasachstan, Mittelasien verbannt. Nach seiner Entlassung im Jahre 1957 widmete sich Solschenizyn intensiv seiner schriftstellerischen Tätigkeit. 1962 wurde seine erste Erzählung Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitschin in der Zeitschrift Nowyj Mir veröffentlicht, in der Solschenizyn sehr eindrucksvoll die Zustände in sowjetischen Strafgefangenenlagern schilderte. 1969 wurde er wegen seiner öffentlichen Kritik an der Zensur aus dem Schriftstellerverband der UdSSR ausgeschlossen, was ihn jedoch nicht davon ab
hielt seine Werke heimlich zu veröffentlichen. Mit der Hilfe seines Freundes Heinrich Böll, der einige seiner Manuskripte in den Westen schmuggelte, erschienen einige seiner Werke im Ausland. Da Solschenizyn fürchtete, dass die sowjetische Regierung ihm nach einer Auslandsreise die Rückkehr in seine Heimat verweigern könnte, nahm er den Literaturnobelpreis vorsichtshalber in der schwedischen Botschaft in Moskau entgegen. Am 14. Februar 1974 wurde der unbequem gewordene Schriftsteller seiner Heimat verwiesen. Er fand zunächst Asyl in der Schweiz, ließ sich jedoch 1976 im amerikanischen Bundesstaat Vermont nieder. Im Jahre 1990 erwirkte Michail Gorbatschow die Rückgabe seiner russischen Staatsbürgerschaft. 1994 kehrte er in die Sowjetunion zurück, wo er vom Volk triumphal empfangen wurde. Seit 1997 ist er Mitglied der Russische Akademie der Wissenschaften.
Solschenizyn blieb bis kurz vor seinem Tod ein kritischer Beobachter des neuen Russlands. Ähnlich wie der frühere Staatspräsident Wladimir Putin lehnte er eine russische Gesellschaft nach westlichem Vorbild ab und sprach sich dafür aus, dass das Land seinen eigenen Weg gehen müsse.
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