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10.11.2009

AK Studie zeigt schwere Ungerechtigkeit bei der Berufswahl

Akademikerkinder besser unterstützt als Arbeiterkinder – Schule muss helfen


Berufswahl

„Der Papa wird’s schon richten.“ Das ist in Österreich das Grundprinzip bei der Berufswahl der Jugendlichen, ergibt eine Studie für die AK. Kinder von AkademikerInnen können im familiären Umfeld eine realistische Vorstellung von ihrem späteren Beruf entwickeln, bekommen auch Hilfe bei der Suche nach Praktika im Wunschberuf. Kinder von ArbeiterInnen lernen die Arbeitswelt oft nur in Ferialjobs auf Baustellen oder in Geschäften kennen, wo ihre Verwandten arbeiten. Das Problem: Bei weitem nicht alle Schulen bieten gute Berufsorientierung mit „Realbegegnungen“ in der Arbeitswelt. „Da dürfen wir uns nicht wundern, dass die Hälfte der Burschen nur 13 Lehrberufe lernt und die Hälfte der Mädchen sogar nur drei“, sagt AK Präsident Herbert Tumpel. Der AK Präsident fordert Berufsorientierung als verpflichtendes Fach in der Schule: „Schluss mit der Ungerechtigkeit bei der Berufswahl. Alle Jugendlichen müssen den für sie besten Beruf finden können.“

Für die Studie „Motive zur Berufswahl“ führte der Soziologe Konrad Hofer intensive Gespräche mit insgesamt 400 SchülerInnen. Die meisten orientieren sich bei der Berufswahl danach, was sie aus der Familie kennen. Ob sie dann tatsächlich zum Wunschberuf kommen, hängt davon ab, ob und wie sehr ihnen die Eltern helfen können. Dieses Ergebnis zeigt sich deutlich, wenn sie bereits 17, 18 Jahre alt sind:

+ SchülerInnen aus Akademiker-Familien haben schon sehr realistische Vorstellungen von der weiteren Ausbildung und dem Beruf, den sie ergreifen wollen. Zumeist haben sie auch schon Berufspraktika in den gewünschten Berufsfeldern absolviert. Die Praktika fanden sie durch Kontakte ihrer Familie.

+ SchülerInnen von Eltern mit niedrigerem Bildungsabschluss haben eher vage Vorstellungen, was sie nach der Schule machen werden. Berufspraktika im akademischen Umfeld können sie meistens nicht machen. Wenn überhaupt, finden sie Ferialjobs auf Baustellen oder in Geschäften, wo ihre Verwandten beschäftigt sind.

„Diese Ungerechtigkeit bei der Berufswahl muss die Schule ausgleichen helfen“, sagt AK Präsident Herbert Tumpel. Er erinnert daran, dass die Hälfte der Burschen nur 13 Lehrberufe lernt und die Hälfte der Mädchen sogar nur drei: „Es soll eben nicht immer Automechaniker für Burschen oder Friseurin oder Verkäuferin für Mädchen sein. Da muss aber die Schule helfen – mit Unterstützung beim Herausfinden der Fähigkeiten und Interessen und mit berufspraktischen Tagen, an denen die Jungen die Arbeitswelt kennenlernen können.“

Positiv sei, so Tumpel, dass jetzt die Unterrichtsministerin per Erlass festgelegt hat, dass die Schulen etwa die Berufsinfoeinrichtungen der Sozialpartner nutzen sollen. Die Arbeiterkammer fordert aber weiterhin ein eigenes, verpflichtendes Schulfach Berufsorientierung. Noch entscheiden die Schulen selbst, wie sie Berufsorientierung machen.

AK Wien Kommunikation
T 01 501 65 - 2565 ChefIn vom Dienst
http://wien.arbeiterkammer.at


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